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DiziPro – Projektstart der digitalen Plattform für zirkuläre Wertschöpfung in der Bestandspflege von Produktionsgebäuden 

Wie kann können Entscheidungen über die Sanierung von Industriebrachen digital unterstützt werden? Wie wird dadurch die Kreislaufwirtschaft im Bau gestärkt und der hohe Gebäudebestand in Deutschland nachhaltig genutzt? Innovative Antworten werden im Projekt DiziPro angestrebt. Mit der digitalen Plattform für zirkuläre Wertschöpfung wird das Fraunhofer IWU gemeinsam mit Projektpartnern die Sanierung des Fabrik- und Verwaltungsgebäudekomplex des ehemaligen Spinnereimaschinenbaus Chemnitz unterstützen. Worum geht es genau? Was sind die Projektziele, -hindernisse und Lösungsansätze und mit welchen Projektpartnern kooperiert das Fraunhofer IWU in diesem Projekt? Dieser Beitrag liefert Ihnen die Antworten.

Wer in Chemnitz schon einmal bouldern oder zum Theater gegangen ist, kennt den Fabrik- und Verwaltungsgebäudekomplex des ehemaligen Spinnereimaschinenbaus Chemnitz unweit des Südbahnhofs. Die Sanierung ist dabei ein laufender Prozess und soll durch die im Projekt entwickelten Lösungen unterstützt werden. Am 03.03 und 04.03.2026 war Kickoff des Projektes namens DiziPro ist mit einer Laufzeit von drei Jahren. Worum geht es genau?  

Abbildung 1a) und b). Einblicke in den Anwendungsfall – Gebäude 3 des Komplexes © Spinnwerk Chemnitz

Gesamtvorhabenbeschreibung  

Das geplante Projekt adressiert die Herausforderungen und Chancen der Kreislaufwirtschaft brachliegender Industriebauten durch eine teilautomatisierte Entscheidungsunterstützung. 

Kern des Gesamtvorhabens: Durch die Ergebnisse wird eine transparentere und effizientere Nutzung des Gebäudebestands angestrebt. Ziel ist die Entwicklung eines Plattformdemonstrators, der historische und aktuelle Gebäudedaten mithilfe intelligenter Technologien zusammenführt. Dazu zählen Building Information Modeling (BIM), digitale Simulationsmodelle für die energetische und ökobilanzielle Bewertung, Ontologien sowie spezialisierte Large Language Models (LLM). Sie kontextualisieren und analysieren die Gebäudedaten und treffen dadurch Prognosen und Vorschläge für die ressourceneffizienten Verwendung von Gebäudeteilen. Dies ermöglicht verschiedenen Stakeholdern fundiert über Rückbau, Nachnutzung oder Neunutzung zu entscheiden. Die simulationsgestützte Planung und Anwendung mit offenen Standards innerhalb des DiziPro Projektes leistet einen nachhaltigen Beitrag zur Reduktion des Primärrohstoffverbrauchs sowie Energieverbrauches und damit zur Senkung von Treibhausgasemissionen.  

Konsortium von Projektpartnern aus dem Technologie- und Energiemanagement, Anwendungsunternehmen sowie Forschungseinrichtungen für Technologie- und Simulationsmodellentwicklung  

Das Projekt hat vielseitige Projektpartner: (1) Building Information Cloud von der GLWG GmbH aus Neumarkt, (2) Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU aus Chemnitz, (3) Hochschule München (Bauinformatik und BIM – Building Information Modeling) aus München, (4) Spinnwerk GmBH & CO KG aus Berlin und (5) Skill Software GmbH aus Frankfurt. Des Weiteren sind Partner in Unterbeauftragung für die Geometrierückführung aus Punktewolken und das Energiemanagement geplant.

Standortsicherung und Wettbewerbsfähigkeit durch DiziPro 

Industriegebäude spielen eine zentrale Rolle in der deutschen Wirtschaft und sind zugleich bedeutende Faktoren für den Energieverbrauch und die Ressourcennutzung im Bausektor (Umweltbundesamt 2025; Statistisches Bundesamt 2019). Ein Großteil industrieller Bestandsgebäude wurde bereits vor 1990 errichtet (dena, 2025) und weist dadurch häufig eine ineffiziente Energienutzung und veraltete Baumaterialien auf (Fraunhofer Allianz Bau, 2023). Spinnwerk GmbH & Co.KG (KMU, Anwendungspartner) hat im Jahr 2013 den Fabrik- und Verwaltungsgebäudekomplex des ehemaligen Spinnereimaschinenbaus Chemnitz mit 48.000m2 Grundstücksfläche übernommen, um einen innerstädtischen Standort mit diverser gewerblicher Flächennutzung bereitzustellen. Das Gelände umfasst Büroräume, Produktionshallen, Werkstätten, Flächen für Großhandel, Lagerflächen, Räume für Freizeitsportanlagen, Veranstaltungen sowie Gastronomie. Gleichwohl ist die fortlaufende Sanierung der insgesamt elf Gebäude, mit dem Schwerpunkt auf regenerative Energieversorgung und nachhaltige Gebäudenutzung bis zum Jahr 2030 zentral in der Zielsetzung verankert. Damit stellt das Objekt einen prädestinierten Anwendungsfall dar.

Anwendungsbreite und Umsetzbarkeit  

Für das Projekt wird auf einen kontinuierlichen openBIM-basierten Ansatz gesetzt. Nach ausführlicher Bestandsaufnahme im ersten Jahr, leiten wir die notwendigen Schritte für die Gebäudesimulation und letztlich Gebäuderestauration ab. Daran anknüpfend beginnen wir mit der Ontologieentwicklung. Eine Ontologie ist ein formales Modell, das festlegt, welche Begriffe es in einem Fachgebiet gibt und wie diese zusammenhängen. Eine Art Wissensdatenbank in einem semantischen Netz, welche die Beziehungen der Begriffe eines Fachbereichs zeigt. Ab dem zweiten Jahr bis zur ersten Hälfte des dritten Jahres planen wir die Simulationsintegration und die Automatisierung des Workflows. In Projektjahr 2 und 3 entwerfen wir die Plattform und entwickeln erste Prototypen, Hand in Hand mit unseren Projektpartnern. Testdurchläufe und die Abschlussdemonstration schließen das Projekt planmäßig im dritten Projektjahr ab.  

Für die Bestandsbewertung, Sanierung, Revitalisierung und Abschlussnutzung setzen wir intelligente Tools ein. Diese werden verknüpft mit bestehenden Standards und etablierten Technologien. In dem modularen Aufbau der Platformarchitektur werden wir zudem eine breite Stakeholdereinbindung durchführen, sowohl im Konsortium als auch mit assoziierten Partnern. Zudem verfolgen wir einen Open-Source-Ansatz für die Teilkomponenten und Plattformfunktionen, um den Wissensaustausch zu fördern und einen potenziellen Wissenstransfer auf weitere Gebäudekomplexe zu ermöglichen. 

Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit im Bau 

Ressourceneffizienz ist durch die intelligenten Analyse-, Bewertungs- und Simulationsfunktionen und die einhergehende handhabbare Entscheidung über die Wiederverwendung von Gebäudekomponenten gegeben. Dies sorgt ebenso für die Verringerung der Abfallentstehung. DiziPro setzt auf verschiedenen Ebenen Maßnahmen zum Klimaschutz um: (1) Energieeffizienzsteigerung für den Gebäudebestand erfolgt durch die integrierten Simulations- und Entscheidungsunterstützungsfunktionen, (2) Reduktion von Treibhausgasemissionen durch die Wiederverwertung von Stahl- und Betonkomponenten.  

Anknüpfend an die Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung wird mit DiziPro durch die Kollaboration von Bauindustrie, Forschung und der öffentlichen Hand langjährig brachliegende Industriebauten wieder in den Produktionskreislauf integriert. Die Nachhaltigkeitsziele sind Teil der 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen und durch DiziPro werden sowohl Ressourceneffizienz (SDG 8.4), als auch die Verringerung der Abfallentstehung (SDG 8.4) und klimaschützende Maßnahmen (SDG 13) verwirklicht. 

Wissenschaftliche und Technische Arbeitsziele  

Problemstellung 

Der industrielle Gebäudebestand und insbesondere die industriellen Brachflächen in Deutschland weisen erhebliche bauliche, energetische, materialbezogene und datentechnische Defizite auf. Diese Mängel behindern sowohl die nachhaltige Bewirtschaftung als auch die Umsetzung von Kreislaufwirtschaftsstrategien im Bausektor.  

Lösungsansatz  

DiziPro entwickelt eine offene, KI-gestützte Plattform zur ganzheitlichen Erfassung, Analyse und Bewertung des industriellen Gebäudebestands mit Fokus auf Kreislaufwirtschaft. 

Abbildung 2. Hindernisse und Lösungen von DiziPro 

Innovationen von DiziPro gegenüber vergangenen Lösungen  

Zentrale Innovation besteht in der Zusammenführung verschiedener digitaler Grundlagen- und Innovationstechnologien zu einem flexiblen und adaptierbaren Plattformkern. Zentraler Aspekt ist die Entwicklung eines Cross-Domain Ontology Models, das Gebäudedaten, d.h. geometrische Daten und Informationen (insbesondere als IFC4) mit Simulationsparametern und Ergebnissen sowie weiteren heterogenen und digitalisierten Bestandsdaten und -unterlagen verknüpft. Die Kombination von BIM und RDF-basierten Wissensgraphen verbessert die semantische Integration von Gebäudedaten, indem sie offene Standards wie IFC mit Ontologien (z. B. Building Topology Ontology – BOT) verbindet und so eine vernetzte, interoperable Datenbasis mit Möglichkeit zur kontinuierlichen Anreicherung über Linked-Data-Methoden schafft. Dies bildet auch Grundlage für eine potenzielle Verknüpfung mit Echtzeitdaten aus IoT-Sensoren. 

Aktueller Stand: Kick-Off des Projektes im März

Mit dem Kickoff konnten wir uns vor Ort gemeinsam auf die ersten Arbeitsschritte verständigen, die gemeinsame Arbeitsweise definieren und unseren zentralen Anwendungsfall bereits genauer besichtigen. Somit schließen wir unseren ersten Beitrag zum Projekt mit ein paar kleinen Impressionen ab, weitere werden folgen …

Abbildung 3 a), b), c). Fotos vom Kick-Off Meeting ©Fraunhofer IWU

Quelle Titelbild und Abbildungen: © Spinnwerk Chemnitz. (2026). Entfalten Sie Ihre Vision in unserem Gebäude 3 – Vielseitiger Raum für kreative Nutzungskonzepte!. Abgerufen am 05.03.2026 unter: https://www.spinnwerk.net/vermietung/geb%C3%A4ude3/

Quellen

Dena. (2025). Dena-Gebäudereport 2025. Abgerufen unter: https://www.dena.de/infocenter/gebaeudereport-2025/, zuletzt aktualisiert am 23.03.2025, zuletzt geprüft am 23.03.2025. 

Fraunhofer Allianz Bau. (2023). Positionspapier der Task-Force »Bauen der Zukunft«. Unter Mitarbeit von Thomas Kirmayr. Abgerufen unter: https://www.ibp.fraunhofer.de/content/dam/ibp/ibp-neu/de/dokumente/publikationen/institut/positionspapier-bauen-der-zukunft.pdf, zuletzt geprüft am 23.03.2025. 

Statistisches Bundesamt. (2019). Bruttowertschöpfung nach ausgewählten Wirtschaftsbereichen in jeweiligen Preisen. Abgerufen unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Konjunkturindikatoren/Volkswirtschaftliche-Gesamtrechnungen/vgr210.html, zuletzt aktualisiert am 14.03.2019, zuletzt geprüft am 23.03.2025. 

Umweltbundesamt. (2025). Energieverbrauch und Energieeffizienz in Deutschland in Zahlen. Abgerufen unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/energiesparen/energieverbrauch-energieeffizienz-in-deutschland-in#Zielerreichung, zuletzt aktualisiert am 23.03.2025, zuletzt geprüft am 23.03.2025. 

Lisa Heinemann

Werkstudentin
Tätigkeitsfeld: Wissenschaftliche Redaktion und Blogkonzeption

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